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Kloster Roggenburg

Das Kloster Roggenburg ist ein Chorherrenstift des Prämonstratenserordens in Roggenburg im Landkreis Neu-Ulm, Bayern, das als abhängiges Priorat der niederbayerischen Abtei Windberg geführt wird

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. Das Kloster betreibt eine Bildungsstätte und ein Museum und ist überregional durch die fast unverändert erhaltenen barocken Gebäude und die in der Kirche stattfindenden Orgelkonzerte bekannt.

Graf Bertold von Bibereck stiftete 1126 zusammen mit seiner Gemahlin und seinen zwei Brüdern Konrad (Bischof von Chur) und Siegfried (Domherr im Bistum Augsburg) das Kloster. Die ersten Prämonstratenser-Chorherren kamen aus dem nicht weit entfernten Kloster Ursberg und errichteten die erste Roggenburger Klosterkirche.

1444 wurde das Stift zur Abtei erhoben. Die erste Bezeichnung Roggenburgs als reichsunmittelbar lässt sich für 1482/1485 nachweisen – eine reichsrechtliche Zementierung dieses Status erfolgte in mehreren Schritten im Verlauf der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Voraussetzung für die neue Reichsunmittelbarkeit waren aber Reformen im Klosterterritorium gewesen, die insbesondere das Gerichts- und Policeywesen festigten. Die umfangreichen Statuten und Satzungen von 1573 (siehe Literaturverzeichnis) sind dafür ein gutes Beispiel.

Am Samstag den 1. April 1525 wurde das Kloster im Bauernkrieg durch die in Aufruhr befindlichen Bauern des Leipheimer Haufens geplündert. Der Abt Jodok und die Mönche hatten das Kloster zuvor bereits verlassen, so dass die Bauern beim Sturm auf die Klostergebäude auf keinen Widerstand stießen. Bei dem Überfall waren auch der Prediger und Bauernführer Hans Jakob Wehe von Leipheim sowie der Ingstetter Bauernhauptmann Jörg Ebner dabei. Im Zuge des dabei von den Bauern abgehaltenen Gelages machte sich Jörg Ebner selbst zum neuen Abt des Klosters. Am folgenden Tag wurde die Klosteranlage durch die eintreffenden Bauern des Illertisser Haufens, nachdem die Leipheimer abgezogen waren, nochmals heimgesucht und es gab weitere Zerstörungen an und in den Gebäuden.

Im 18. Jahrhundert wurden das Kloster und seine Pfarr- und Filialkirchen im barocken Stil so umgebaut, wie sie noch heute bestehen. Unter anderem wurden 1732 die Konventsgebäude neu gebaut. Im Juli 1752 begann man mit dem Neubau der Kirche, der sechs Jahre dauerte und unter Abt Georg Lienhardt vollendet wurde.

1802 wurde das Reichsstift nach der Säkularisation von bayerischem Militär besetzt. Der Konvent wurde aufgelöst und der letzte Abt Thaddäus Aigler seines Amtes enthoben.

1982 zogen wieder Prämonstratenser ins Kloster ein. Am 8. November 1992 wurde das Kloster durch die Abtei Windberg in den Rang eines abhängigen Priorates erhoben. Inzwischen entstanden in den Klosteranlagen unter ihrer Obhut eine Bildungsstätte für Familie, Umwelt und Kultur, ein Museum, ein Haus für Kunst und Kultur sowie gastronomische Einrichtungen. Außerdem werden in einem Klosterladen Devotionalien, Weine aus klösterlichem Anbau und verschiedene Produkte eigener Herstellung verkauft.

Die Klosterkirche, ein bedeutender Bau des schwäbischen Rokoko, wurde von 1752 bis 1758 nach Plänen von Simpert Kraemer in Kreuzform erbaut. Der einschiffige Saalbau mit Querhauserweiterung und Doppeltürmen ist 70 m lang, 35 m breit und hat eine Innenhöhe von 28 m. Die beiden Türme sind 70 Meter hoch. Das Kirchengebäude ist, wie bei Prämonstratensern üblich, in die Klosteranlage integriert und hat daher keine Eingangsfassade in der Längsachse. Die Kirche wird heute als Katholische Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt genutzt.

Vermutlich wurde der Stuck von Stuckateuren der Wessobrunner Schule gefertigt. Die Deckenfresken schuf der Maler Franz Martin Kuen. Sie gelten als dessen Hauptwerk, sind aber nicht erhalten, da die Decke 1845 einstürzte. Nach deren Wiederherstellung wurden 1900 neue Fresken durch den akademischen Maler Waldemar Kolmsperger angebracht. Wie in vielen Kirchen der Prämonstratenser stellt das zentrale Deckengemälde das Weihnachtsgeschehen dar, ein Hinweis auf die Gründung des Ordens am Weihnachtsfest 1121.

Die Altarblätter des Hochaltars und der Seitenaltäre stammen ebenfalls von Franz Martin Kuen. Die großen Figuren am Hochaltar wurden von Anton Sturm geschaffen und stellen links den heiligen Augustinus als Verfasser der Ordensregel und rechts den Ordenspatron Johannes der Täufer dar. Aus der Vorgängerkirche stammen die von Christoph Rodt 1628 geschaffenen Figuren das Kreuzaltars und der Querschiffaltäre. Auch das Chorgestühl mit Platz für 50 Chorherren stammt aus der Vorgängerkirche.

Eine Besonderheit der Klosterkirche ist die Dachkonstruktion. Um die Breite von 35 m zu überspannen, wurde ein sogenannter hängender Binder verwendet, dessen Hauptmerkmal ist, dass die Konstruktion auf den Mauern aufliegt, diese aber praktisch nicht nach außen gedrückt werden. Deshalb sind sie freistehend und müssen nicht seitlich stabilisiert werden (wie beispielsweise an den Seitenschiffen des Ulmer Münsters gut zu sehen ist). Die Decke der Kirche ist an der Dachkonstruktion aufgehängt. Diese Art der Dachkonstruktion ist wohl sehr selten und in Süddeutschland einzigartig long soccer socks. Sie geht über eine Höhe von etwa drei Stockwerken.

Die Orgel der Klosterkirche wird im Volksmund „die große Roggenburgerin“ genannt, insbesondere wegen des imposanten Orgelprospekts, der zu den elegantesten Süddeutschlands zählt. Das von der Altarschreinerfamilie Bergmüller gefertigte Orgelgehäuse wirkt gleichsam wie ein großer Altar. 1761 schuf der Ulmer Orgelbauer Georg Friedrich Schmahl das erste Orgelwerk für dieses Gehäuse. Im Laufe von 250 Jahren wurde das Instrument mehrmals umgebaut bzw. ein ganz neues Werk konzipiert: So gab Ende des 18. Jahrhunderts Johann Nepomuk Holzhey (Ottobeuren) der Orgel eine eher „französische Note“. 1905 musste dieses Instrument dann einer großen spätromantischen Orgel mit pneumatischer Traktur weichen, errichtet von der Orgelbauwerkstatt Gebrüder Hindelang (Ebenhofen im Allgäu). 1955/56 setzte sich die Orgelbewegung durch, und die Firma Nenninger aus München baute nach Plänen von Rudolf Quoika und Arthur Piechler eine neobarocke Orgel.

Nach einer mehrjährigen grundlegenden Instandsetzung der Klosterkirche gestaltete die Orgelbauwerkstätte Gerhard Schmid (Kaufbeuren) diese Orgel 1984–1986 technisch und klanglich grundlegend neu. Das Ergebnis dieses Umbaus ist ein vielseitiges Instrument, dem es gelingt, den weiten und hohen Raum der Klosterkirche klanglich auszufüllen. In zahlreichen Orgelkonzerten, die der Verein der Freunde des Klosters Roggenburg e. V. seit 1986 regelmäßig mit Organisten aus dem In- und Ausland veranstaltet, hat es sich gezeigt, dass die Roggenburger Orgel für die Darstellung romantischer und symphonischer Orgelliteratur besonders gut geeignet ist. Aus dieser Erfahrung heraus wurden zwischen 1996 und 2008 nochmals verschiedene Modifikationen im technischen und klanglichen Bereich vorgenommen, um die Möglichkeiten für die Darstellung von Orgelmusik des 19. und 20. Jahrhunderts zu erweitern, ohne das vorhandene barocke Klangspektrum einzuschränken high football socks. Dabei wurden unter anderem charmante Flötenstimmen und eine kräftige Trompeteria eingebaut.

2008 baute die Orgelbauwerkstatt Heiß (Vöhringen an der Iller) eine neue, fünfmanualige Spielanlage, die an historischer Stelle im Untergehäuse des Prospekts eingefügt ist. Diese erweiterte nochmals das Klangfarbenspektrum der Orgel durch die elektrische Anbindung der 2005 hinter dem Tabernakel des Hochaltars aufgestellten Chororgel der Klosterkirche als Fernwerk. Das Schleifladen-Instrument hat 63 Register (ca. 4000 Pfeifen). Die Spieltrakturen sind mechanisch, die Registertrakturen elektropneumatisch. Die Hauptorgel hat 56 Register auf vier Manualen und Pedal und vom 5. Manual ist die Chororgel spielbar, die als Fernwerk dient. Die Chororgel hat 7 Register.

Das Geläut der Klosterkirche besteht aus sieben Glocken, die auf die beiden Türme verteilt sind. Fünf davon haben historischen Wert, zwei wurden im 20. Jahrhundert gegossen.

Nach zehnjähriger Zeit des Planens, Renovierens, Restaurierens und Sanierens im Inneren wie im Äußeren wurde der Klosteranlage 2015 bei Kosten von 18 Millionen Mark ihre barocke Schönheit zurückgegeben. Der wieder hergestellte Klostergarten, ein Gemeinschaftswerk mit Ländlicher Entwicklung und Gemeinde, ist öffentlich zugänglich. 2016 wurde dem Garten ein kleines Labyrinth hinzugefügt, das Ranken von 300 verschiedenen Efeusorten bilden. Die Pflanzensammlung kam 2016 durch Vermittlung des Gartenbauunternehmens Dehner aus der Abtei Neuburg bei Heidelberg nach Roggenburg. Die Klostergebäude stehen unter Denkmalschutz.

Abt des Klosters Windberg, dem das Priorat Roggenburg zugeordnet ist, ist Hermann Josef Kugler, Prior in Roggenburg ist Stefan Kling.

Koordinaten:

Abtei Sankt Stephan, Augsburg | Erzabtei Sankt Ottilien | Kloster Andechs | Kloster Roggenburg | Kloster Elchingen | Franziskanerkloster Füssen | Kloster Benediktbeuern | Kloster Wessobrunn | Kloster Ursberg | Kloster Oberschönenfeld | Kloster Ottobeuren

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